Baum

Katernberger Straße 4

1 Stolperstein am 10.12.2013 für Herrn Alfred Baum, geb. 20.07.1873. Im Alter von 69 Jahren wird Herr Baum am 20.07.1942 nach Theresienstadt deportiert. Hier verstarb Herr Baum nach vielen Strapazen am 22.02.1943 im Alter von 70 Jahren.


Fragmentarischer Lebenslauf von Herrn Baum.

Alfred Baum
Alfred Baum wurde am 4.05.1873 in Elberfeld geboren als Sohn von Emanuel Baum (geb. 11. 2.1837, gest. am  4. 4.1905 in Elberfeld) und Rosalie Hirsch.

Alfred Baum hatte zwei Geschwister: einen Bruder Max / Maximilian, geboren am 13.06.1877 in Elberfeld, gestorben am 9.09.1940 in Wuppertal-Elberfeld. Vater Emanuel Baum hatte wohl, nachdem seine Frau Rosalie Hirsch gestorben war,  am 30.7.1917 noch ein zweites Mal geheiratet und zwar Josefine Weidner, so dass Alfred Baum auch noch eine Halbschwester hatte: Erna / Ernestine, verheiratete Schwarz, geboren am 17.04.1890 in Elberfeld, die am 10.11.1941 nach Minsk / Weißrussland deportiert und dort ermordet wurde.

Den Holocaust überlebt haben dagegen die Frau seines Bruders Max: Anna Baum, geborene Schasberger (die keine Jüdin war und erst Ende 1971 in Wuppertal verstorben ist), und deren gemeinsamer Sohn Günther Emanuel (der am 19.8.1921 in Barmen geboren wurde und sich später in USA Denis Robert Cunningham nannte); während dessen Schwester: Irma Charlotte verh. Baer (am 22.4.1919 in Barmen geboren) 1942 nach Izbica deportiert wurde und vermutlich dort umkam.

Alfred Baum wird wohl nach dem Schulbesuch eine kaufmännische Lehre absolviert haben, denn als Beruf wird Kaufmann angegeben und Fabrikant. Zusammen mit seinem Bruder Max und dem Kompagnon Karl Vieten gründete und leitete er die erste Elberfelder Margarinefabrik in der Sedanstraße, später umbenannt in Gutenbergstraße 16 – 20. Dazu gehörte noch eine zweite Firma, die Lebensmittelgroßhandlung Vieten & Baum. Am 22.11.1938 schied Max Baum verfolgungsbedingt aus der Firmenleitung/Miteigentümerschaft aus. Die Firma wurde „arisiert“ und hieß nun Vieten & Molinius KG.

Die Nürnberger Rassegesetze vom 15.September 1935 zogen eine Fülle von Verordnungen und Bestimmungen zur systematischen Ausschließung von Juden aus dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben und zur Außerkraftsetzung ihrer Bürgerrechte nach sich. Die Stadtverwaltung zögerte nicht, diese umzusetzen und jeden Verstoß dagegen auch mit Hilfe der Gestapo zu ahnden.

Zunächst überstand Alfred Baum die „erste Phase der Entrechtung jüdischer Bürger (April 1933 bis September 1935)“, erlitt dann in der „zweiten Phase der Judenverfolgung (September 1935 bis November 1938)“  die Härte der „Isolation“, das heißt, den Ausschluss aus dem gesellschaftlichen Leben in Elberfeld. In der „dritten Phase der Judenverfolgung, der forcierten Vertreibung und Entfernung aus dem wirtschaftlichen Leben in Deutschland (November 1938 bis Oktober 1941)“ verlor Alfred Baum schließlich seine Firma und dann auch noch seine Wohnung in der Elberfelder Katernbergestr. 4. Er wurde gezwungen, in die Gartenstraße 24 in Elberfeld  umzuziehen.

Am 20.07.1942 wurde er schließlich vom Elberfelder Bahnhof Steinbeck nach Düsseldorf und am Tag darauf von dort aus in das Ghetto Theresienstadt/Tschechoslowakei deportiert. Hier verstarb er rund ein halbes Jahr später am 22.02.1943 im Alter von 70 Jahren.


Quellen:
Prof. Dr. Manfred Brusten, „Jüdische Bürger Wuppertals zur Zeit des „Dritten Reiches“,
Gedenkbuchprojekt, Datenerhebung 1997 – 2013

„Juden in Charlottenburg – Ein Gedenkbuch“, Verein zur Förderung des Gedenkbuches für Charlottenburger Juden e.V. ( Hrsg.), text.verlag, 2009 ( Phaseneinteilung zur Verfolgung der Juden in Deutschland )

Zusammengestellt von Dr. Ute Otten, Wuppertal